43. Adventsmusik in der Burghauser Kapuzinerkirche St. Anna

Burghausen. Lichtschein in der Finsternis, Wegweiser durch die schwarze Nacht, Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit – gerade in der Vorweihnachtszeit scheint die Kraft der Himmelskörper noch leuchtender zu sein als im übrigen Jahreslauf. Und die Adventmusik in der Kapuzinerkirche St. Anna sandte diese Kraft in die Herzen der Zuhörer. Schon allein deshalb war das Themenlied der 43. Auflage passend gewählt: "Gott, heilger Schöpfer aller Stern" hatte der musikalische Leiter Bernhard Waas als roten Faden für die Konzerte am Samstag und Sonntag ausgesucht. Und auch für Bruder Georg Greimel aus Altötting bot diese Textzeile eine inspirierende Quelle: Mit seinen Worten schlug der Pater einen Bogen von der Geburt Jesu bis hin zur Wissbegierde der Wissenschaft. Eine gute Stunde durfte sich Burghausen so dem Kosmos nahe fühlen.

Königin Saba zog in die bis auf den letzten Platz gefüllte Kapuzinerkirche ein, und die Zuhörer ließen sich gerne mit Händels Sinfonie auf ein anspruchsvolles Programm einstimmen. Chor und Orchester wechselten sich ab oder ergänzten sich eindrucksvoll bei Stücken von Johann Sebastian Bach bis hin zu Bischof Stefan Oster. Schön brachte Elisabeth Ertl ihre Harfe mit einem Deutschen Tanz in einer Bearbeitung von Berta Höller zum Klingen. Und wunderbar intonierte Gabriele Spitaler mit ihrem reinen Sopran das "Ave Maria" von Fernand de la Tombelle. Heinrich Wimmer an der Orgel und der gemischte Chor begleiteten die Solistin, die ihren Gesang von der Empore aus in das Gotteshaus schickte.

Heinrich Wimmer ist auch ein weiterer Höhepunkt der 43. Adventmusik zu verdanken: Seine Bearbeitung von "Go, tell it on the mountains" stellte die 19 Sänger vor eine große Herausforderung. Ein Jahr lang hat der gut besetzte Chor daran gearbeitet, bis das Lied aufführungsreif war. Doch es hat sich gelohnt – ein krönender Abschluss der vorweihnachtlichen Konzerte. Der Erlös aus Spenden und dem Verkauf beim Basar im Klostergang kommt Projekten in Bulgarien, in Uganda und in Chile zugute.

Michaela Resch

Kapuzinerchor mit Unterstützung liefert musikalisches Bekenntnis

Burghausen. Seit 1972 gibt es schon die Adventsmusik in der Kapuzinerkirche, immer am 3. Adventssonntag. Seit 1994 liegt sie in den bewährten Händen von Bernhard Waas und dem Kapuzinerchor sowie wechselnden instrumentalen Besetzungen. Um der großen Schar der Zuhörer gerecht zu werden, findet sie seit einigen Jahren sogar zweimal hintereinander statt. Die Spenden fließen immer verschiedenen sozialen Projekten der Kapuzinerprovinz zu.

Heuer verstärkten Mitglieder des Burghauser Kirchenorchesters, dazu Bläser, Querflötisten und Heinrich Wimmer an der Orgel den Chor, so dass ein umfassender Streifzug durch anspruchsvolle Chor- und Musikliteratur möglich wurde. Da gab es den volkstümlich gehaltenen Satz des langjährigen Chorreferatsleiters des Bayr. Rundfunks, Franz X. Biebl, oder Entdeckungen aus dem 19. Jahrhundert, etwa von Moritz Hauptmann oder Heinrich von Herzogenberg; ein besonderes Augenmerk scheint Waas auf Jubilare zu legen , so z.B. Carl Orff zum 30. Todestag, Hans Leo Hassler zum 450. Geburtstag oder natürlich − als Tribut an unsere Region − Franz Xaver Gruber zum 225. Geburtstag.

Die Qualität der Interpretationen ist ausnahmslos überdurchschnittlich, ob es sich nun auf der instrumentalen Seite um die "Festliche Suite A-Dur" für Streicher und Orgel von Georg Philipp Telemann handelte oder das "Trumpet Voluntary" für zwei Trompeten und Orgel von Charles J. Stanley, oder auch das "Andante non moderato" für zwei Querflöten von Carl Stamitz. Oder aber wenn der Chor auch mal aufgeteilt in ein Frauen- und ein Männerensemble, ein wunderbar festliches, aber nicht übertriebenes "Hoch tut euch auf" nach Christoph W. Gluck interpretierte oder "O komm, o komm Emanuel" des Kirchenmusikern wohlbekannten P. Norbert Weber OFMCap aus Passau. Dem Chor darf man ohne Abstriche einwandfreie Intonation und deutliche Artikulation bestätigen, da ist gefeilt und gründlichst vorbereitet worden, ohne Zweifel.

Die Adventsmusik in der Kapuzinerkirche verlässt sich aber traditionell nicht nur auf Musik. Kapuzinerbruder Georg Greimel aus Altötting formulierte prägnante Gedanken zu den (von Pfarrer Siegfried Herböck erweiterten) Strophen des Kirchenlieds "O Jesu Christe, wahres Licht", ein Bekenntnis zum wahren Christsein. Unter Waas' aufmerksamer und ruhiger Gesamtleitung entfaltete sich ernsthafte und ernst gemeinte Inspiration für den Advent.

Sabine Ressel

Beeindruckendes Salzburger Passionskonzert - Chor der Kapuzinerkirche setzte Akzente

Burghausen. Beim Salzburger Passionssingen in der voll besetzten Stadtpfarrkirche St. Jakob stimmte sich das Publikum am vergangenen Freitag auf die bevorstehende Karwoche und auf Ostern ein. Paulus und die Entstehung des Neuen Testaments standen im Zentrum des Spiels. „Was wissen wir aus eigener persönlicher Erfahrung, was lediglich aus Erzählungen anderer? Sind wir uns bewusst, was wir als Wissen bloß übernehmen und weitergeben...?“, so Programmgestalter Josef Radauer. In seiner Eingangsrede bat Radauer das Publikum, es möge doch während und auch am Schluss der Aufführung auf Applaus verzichten, um dann die Stimmung mit hinaus in die kommende Zeit zu nehmen. 

In zehn Szenen erzählte das Ensemble des Salzburger Passionssingens, bestehend aus Peter Pirkl (Paulus), Alfred Kröll (Barnabas), Andrea Resch (Lydia), Benedikt Helminger (Lukas), Hermann Strasser (Silas), Georg Mayer (Timotheus), und Rudi Wandinger (Markus) in frühbiblischem Rahmen stimmungsvoll die Geschichte von Suchen und Finden, von Leben und Tod. 

Musikalisch umrahmten der Salzburger Dreigesang, die Kitzbühler Sänger, die Pongauer Bläser und das Ensemble Tobi Reiser die Aufführung mit alter volkstümlicher Musik. Hervorragend fügte sich der Chor der Kapuzinerkirche St. Anna Burghausen unter der Leitung von Bernhard Waas in das Ensemble ein und setzte auch musikalisch Akzente. Die schlicht gehaltene Bühnenausstattung, die wirkungsvollen Kostüme und das intensive Spiel der Akteure vertieften den religiösen und meditativen Charakter des Singspiels. Mit Kerzen in der Hand, verteilt am Schluss auch an das zahlreiche Publikum, beendete der Chor die Aufführung mit dem Lied „Herr, bleibe bei uns“ von Andreas Gassner und verließ daraufhin in aller Stille die Kirche.  - tb

Kapuzinerchor und Orchester mit außergewöhnlichem Konzert in der Acher Kirche

Dirigent Bernhard Waas mit Chor, Orchester und Solisten in der Acher Kirche.  − Foto: Ressel

Dirigent Bernhard Waas mit Chor, Orchester und Solisten in der Acher Kirche.  − Foto: Ressel

Burghausen. Das Wetter verhinderte, dass mancher Besucher von draußen zuhören konnte: Erwartungsgemäß war die Maria-Ach-Kirche in Ach-Wanghausen beim Konzert des Kapuzinerchors bis auf den letzten Platz besetzt − und zwar sowohl von Besuchern aus Ach als auch von Burghausern. Chorleiter Bernhard Waas ist es gelungen, dem Motto der Landesausstellung folgend, Werke von Komponisten aus unserer Grenzregion − ohne zeitliche Eingrenzung − zu einem wie immer sorgfältig geplanten und absolut hörenswerten Konzert zusammenzustellen. Das fängt beim informativen Programm an und dazu gehört auch ein sympathisches "Après-concert" des Acher Pfarrgemeinderats.

Nach der ausführlichen Vorankündigung durfte man besonders auf das "Alma redemptoris mater Nr. 67" von Franz Xaver Gruber gespannt sein − im Konzert erfuhr das Stück eine glänzende "Wiederuraufführung". Sozusagen zum Ausgleich für lange Vergessenheit durfte es auch als Zugabe erklingen. Zusammen mit Werken von Johann Georg Hartdobler, Organist an St. Jakob in Burghausen und eine Zeit lang Grubers Orgellehrer, Pater Albericus Hirschberger und Anton Diabelli, die mit dem Zisterzienserkloster Raitenhaslach in Verbindung zu bringen sind, des Wahl-Burghauser Musiklehrers Christoph Lorenz Kagerer und Max Keller, dem kurfürstlichen Kapellmeister aus Altötting ergab sich ein stimmiges Ganzes.

Als Kontrast und weiterer Höhepunkt: Heinrich Wimmers Vertonung des Sonnengesangs von Franz von Assisi. Er hat es 2009 für den Kapuzinerchor geschrieben, und dieser meisterte das anspruchsvolle und schöne A-cappella-Stück auch diesmal in beeindruckender Art, obwohl die Akustik der Kirche dem Werk nicht entgegenkam. Verstärkt wurde der Chor von den Solisten von "drent und herent" Erika Peldszus-Mohr, Sopran und Alt, Sabine Beck, Mezzosopran, Dr. Franz Krähschütz, Tenor und Dr. Manfred Roider, Bass-Bariton. Unter der Gesamtleitung von Bernhard Waas gaben das Burghauser Kirchenorchester sowie Dr. Erwin Schiedermaier an der Querflöte den Sängern ein meisterliches Fundament. Wegen des großen Andrangs wird das Konzert zu gegebener Zeit in Burghausen wiederholt.  − rsa

Uraufführung von Heinrich Wimmers Chorwerk - Eingebettet zwischen Händel

Burghauser Anzeiger, 15.09.2009, Bernhard Furtner

Burghausen. Nur ungern lässt sich der Organist von St. Jakob, Heinrich Wimmer, als Komponist titulieren. Die Bescheidenheit des musikalisch versierten Orgelvirtuosen kann indes auf Dauer nicht verhindern, dass seine Kompositionen Musikkenner respektvoll aufhorchen lassen. So durfte der Tonkünstler am Samstag nach der Uraufführung seines „Sonnengesang des Franziskus von Assisi“ - und wohl auch nach der Wiederholung am Sonntagnachmittag - zahlreiche Gratulationen entgegennehmen, die mehr als berechtigt waren. 

Auf Wunsch des Leiters des Chors der Kapuzinerkirche, Bernhard Waas, hatte Wimmer den Sonnengesang anlässlich der Vollendung der Renovierung des Gotteshauses vertont. Die zwischen Händel und Haydn würdig eingebettete Uraufführung wurde mit Spannung erwartet. 

Man hörte ein A-cappella-Chorwerk, das in sicherer Handschrift auf Basis traditioneller Kompositionstechnik entstanden ist. Wimmer versteht es, Textinhalte harmonisch raffiniert und doch ungekünstelt zu durchweben und transparent zu machen. Der Wechsel von Vorsänger und Chor zeigt frühe liturgische Elemente auf, Zitate der Gregorianik und eine weitgehend homophone Satzweise in moderner Klangkonstellation spannen einen Bogen vom Mittelalter in die heutige Zeit. 

Für den Chor, der im Wechsel mit Bariton Dr. Manfred Roider zu hören war, bedeutete diese durchaus anspruchsvolle und mitunter rhythmisch vertrackte Neuschöpfung wochenlange Probenarbeit, die sich jedoch letztendlich lohnte. Es entstand ein aussagekräftiges Werk in hoher stimmlicher Qualität und Abstimmung. Unerheblich erscheint es da, dass sich Fortissimo-Stellen gerne im Presbyterium verfingen und die ansonsten gute Akustik des Kirchenraums etwas überstrapazierten. 

Das Konzert hielt noch weitere musikalische Wohltaten bereit. So erlebte man ein ungemein einsatzfreudiges „Konzert für Orgel, Streicher, zwei Oboen und Continuo“ von Georg Friedrich Händel (250. Todesjahr). Heinrich Wimmer spornte am kleinen Orgelportativ mit fast angriffslustigem Drive das terrassendynamisch korrespondierende Orchester zu Höchstleistungen an. Barocke Prachtentfaltung!

Schließlich erklang Joseph Haydns (200. Todesjahr) monumentale „Missa Sti Bernardi 

von Offida“, in der sich Chor, 

Solisten (Erika Peldszus-Mohr 

Sopran, Sabine Beck Sopran,

Dr. Franz Krähschütz Tenor, 

Dr. Manfred Roider Bass) und Orchester auf glückliche Weise vereinten. 

Lang anhaltender Applaus folgte jedem Programmpunkt eines denkwürdigen Konzerts, das die renovierte Kirche als Raum für geistliche Musik neu ins Bewusstsein rückte.