Chor und Instrumentalisten bieten erfrischende Vielfalt dar

Seit 30 Jahren gibt es die Adventsmusik in der Kapuzinerkirche. Die Tradition wird auch lange nach dem Wegzug der Kapuziner überzeugend weitergepflegt.

Burghausen.  Die Adventskonzerte in der St. Anna-Kirche haben eine gute Tradition. Vor genau 30 Jahren mit Schülern des Kapuzinerseminars und einer Mädchenschola ins Leben gerufen, haben sie den Weggang der Kapuziner überdauert und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. So sahen auch heuer wieder beide Veranstaltungen eine voll besetzte Kirche.

Das Adventskonzert stand im Zeichen des Liedes "Tauet Himmel den Gerechten", dem uralten Advents-Introitus "Rorate coeli desuper". Die Betrachtungen Bruder Georg Greimels von den Altöttinger Kapuzinern folgten dem Aussagegehalt der Strophen dieses Adventliedes, dessen Motiv immer wieder aufschien - bis hin zum begeistert gesungenen Volksgesang.

Passend dazu die vokalen und instrumentalen Zwischenmusiken, als Erklärung und meditative Vertiefung. Und hier gelang es, hohes musikalisches Niveau mit erfrischender Vielfalt zu paaren. Der musikalische Leiter Bernhard Waas lenkte den Chor und die Instrumentalisten meisterhaft von der Barockzeit bis in die Moderne, ob a cappella gesungen oder instrumental begleitet. An Höhepunkten seien vor allem der "Marienadvent" von Max Eham und das "Ave Maria" von Joseph Suder genannt, beide zeitgenössische Komponisten, sowie das von der Mädchenschola mit glockenhellen Stimmen dargebrachte "O Heiland, reiss die Himmel auf" eines unbekannten Verfassers, dessen Cantus firmus die Melodie des alten Advents-Hymnus "Conditor alme siderum" aufgreift.

Das Collegium Instrumentale Burghausen, bestehend aus "gestandenen" Musikern, von denen ein Gutteil auch als Sängerinnen und Sänger fungierten, spielten mit von ihnen gewohnter Musikalität und Akuratesse. Bemerkenswert das Aufgebot an Bläsern. Wann hört man schon einen nur mit Holzbläsern besetzten Sonatensatz oder gar eine Sonate für zwei Fagotte? Oder einen so hervorragenden Trompeter wie Martin Hammerl, der als "Wächter sehr hoch auf der Zinne" von der Orgelempore aus das Konzert eröffnete und mit "La vigilance" zur Wachsamkeit aufrief. Bei seinem Bach-Lied "Bist du bei mir" begleitete ihn hervorragend Martin Hofinger auf Orgel oder Spinett.

Das die Adventsmusik wieder ein beglückendes Erlebnis wurde, ist vor allem Bernhard Waas zu danken, der nicht nur für Programmauswahl und Einstudieren verantwortlich zeichnet, sondern auch noch als Sänger und Fagottist sein Können in den Dienst der guten Sache stellt.

Die Zuhörer dankten mit lange anhaltendem Beifall und Spenden für die ehemalige Kapuzinermission in Chile und für die Burghauser Missionsärztin Sr. Dr. Lukas Bergenthal.

Glanzvolles Kirchenkonzert in der Stadtpfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau - Dankbares Publikum

Burghausen. Manche Komponisten finden erst nach ihrem Tod gebührend Anerkennung, andere werden zu Lebzeiten gefeiert und geraten später in Vergessenheit. Zu letzteren gehört Johann Georg Albrechtsberger. Ehedem eine der führenden Gestalten im Wiener Musikleben, ist der Komponist und Musiktheoretiker heute allenfalls Insidern bekannt. Um so erfreulicher, dass Bernhard Waas nun ein frühes Werk des Wiener Klassikers ausgegraben hat. Mit dem Konzert für Orgel und Streichorchester in B-Dur eröffnete er das Programm des Kirchenkonzertes in der Stadtpfarrkirche "Zu Unserer Lieben Frau".

Orgelsolist Heinrich Wimmer demonstrierte überzeugend, dass eine Wiederentdeckung Albrechtsbergers lohnend ist. Wimmer traf den galant dahinfließenden Duktus der Ecksätze ebenso zielgenau wie die innige Empfindsamkeit des Adagios. Dem kleinen Rieger-Portativ entlockte er mit raffinierten Registrierungen einen erstaunlich variablen Klang, der sich bestens mit dem sanft abgetönten Streicherchor des Collegiums Instrumentale mischte.

Kräftigere Farben zeigen konnte dieses, nun durch Bläser verstärkte Ensemble in Wolfgang Amadeus Mozarts "Exultate, jubilate", in einem in seiner dramatischen Anlage stark an eine Opernarie erinnernden Werk. Mozart komponierte die Mottete auf seiner dritten Italien-Reise für den Kastraten Venanzino Rauzini. Heute zählt das Stück zu den Bravournummern des Sopranfachs.

Erika Peldszus-Mohr gestaltete ihren Part mit großer Intensität und dramatischem Impetus. Während ihr Ton anfangs noch nicht vollkommen fokussiert erschien, fand sie im Andante zu seelenvollen, weit ausschwingenden Klängen. Die Koloraturen des abschließenden "Halleluja" ließ sie mit verblüffender Virtuosität geradezu dahinschnurren.

Das Hauptwerk des Abends, Joseph Haydns Mariazeller Messe, führt bis heute im Schatten der Oratorien des Wiener Meisters ein eher stiefmütterliches Dasein. Gleichwohl ist die Messe ein bedeutendes Zeugnis von Haydns aufrichtiger Frömmigkeit. Die Aufführung unter der umsichtigen Leitung von Bernhard Waas demonstrierte dies nachdrücklich. Dabei konnte vor allem die Sänger überzeugen: Der Kirchenchor "Zu Unserer Lieben Frau", der Kapuzinerchor, sowie Mitglieder der Gruppe Jesaja boten einen kompakten, kraftvollen Mischklang, gestalteten die gläubige Demut des "Qui tollis" ebenso eindringlich wie die strahlende Zuversicht der gewaltigen Schlussfugen von Credo oder Agnus Dei.

Das angenehm homogene Solistenquartett mit Erika Peldszus-Mohr, Gabriele Zauner, Martin Simon und Pater Samuel Geng machten das Benedictus zu einem ruhenden Pol im vorwärts drängenden Puls der Messe. Nach der bombastischen, von Waas mit unspektakulärer klarer Zeichengebung sicher geführten Schlussfuge spendete das Publikum in der fast vollbesetzten Kirche langanhaltenden bewegten, dankbaren Beifall.

 

Besinnliche Feierstunden mit Werken aus Barock und Klassik

Burghausen. Der Chor der Kapuzinerkirche St. Anna hatte für Samstagabend und für den Sonntagnachmittag zu einer Adventsmusik eingeladen, zur 32. in steter Folge. Die Freunde des Chores, der Kirche und der Kapuzinerpatres waren so zahlreich gekommen, dass an beiden Tagen die Kirche voll war.

Die Adventsmusiken haben eine gute Tradition und stellen auch etwas Besonderes dar: Das beginnt schon beim schlicht geschmückten Kirchenraum, setzt sich fort im theologisch stimmigen Programm, im hervorragenden Musizieren und in der aktiven Miteinbeziehung der Zuhörer. Den Leitfaden für die Feier stellte der Hymnus "Veni creator gentium" dar, besser bekannt in der Luther'schen Eindeutschung "Nun komm, der Heiden Heiland". Bruder Georg Greimel vom Altöttinger Kapuzinerkonvent stellte dem auch die Bitte um das Kommen des Erlösers als uraltes Anliegen aller Menschen vor.

Diesen Gedankengängen war auch die Auswahl des Musikprogramms gefolgt, das nicht nur durch die Qualität der Wiedergabe, sondern auch durch seine erfrischende Vielfalt erfreute. Chorleiter Bernhard Waas gelingt es immer wieder, fast vergessene und doch so aufführenswerte Werke auszugraben, zumeist aus dem näheren Umfeld von Burghausen, so etwa die Motette "Prope est dominus" für Chor, Streicher und Orgel von Anton Diabelli aus dem nahen Mattsee. Oder die beiden marianischen Strophenlieder "Stern auf diesem Lebensmeere" für gemischten Chor und "Meine Seele, auf und siege" für zweistimmigen Frauenchor und Orgel, beides von Franz Xaver Gruber; gerade letzteres mit abwechselnden Terz- und Sextgängen ein sehr anrührendes, dabei nicht kitschiges Beispiel schlichter Volksfrömmigkeit.

Anderes, wie etwa das "Panis angelicus" von Cesar Franck wurde geschickt den vorhandenen chorischen und instrumentalen Möglichkeiten angepasst. Der großen Leistung des Chores stand das "Collegium Instrumentale Burghausen" nicht nach, das nicht nur Chorstücke begleitete, sondern auch reine Instrumentalstücke darbot, wie etwa ein Sarabande mit Gavotte von Jean B. Lully. Den sauber intonierenden Streichern stehen ganz ausgezeichnete Bläser zur Seite, so der Trompeter Martin Hammerl.

Großes Lob dem Organisten Martin Hofinger, der wie die meisten Instrumentalisten auch als Sänger fungierte. Hinter all diesen großartigen Leistungen - dem gekonnt ausgewählten Programm, der Einstudierung und Aufführung - steht auch ein großartiger Musiker: Bernhard Waas. Man spürt, wie sehr der Chor von ihm geprägt ist und auf den kleinsten Wink reagiert. Die Zuhörer schlossen sich den Dankesworten von Bruder Georg mit lange anhaltendem Beifall an und sicher auch mit manch frommer Spende für die Kapuziner-Mission in Chile mit Sr. Lukas Bergenthal.

Besucher in der Kapuzinerkirche spenden Applaus und Geld

Burghausen (ba). Der Erlös des Adventssingens und des weihnachtlichen Basars in der Kapuzinerkirche, insgesamt 6500 Mark, wird für die Mission in Chile gespendet.

Unter dem Motto "Allen Menschen wird zuteil Gottes Heil" standen die beiden Konzerte in der Kapuzinerkirche. Gleichzeitig hatte die Franziskanische Gemeinschaft im Klostergang einen vorweihnachtlichen Basar veranstaltet. Unter der Leitung von Bernhard Waas wurde den Zuhörern ein abwechslungsreiches Programm geboten, das der Jugendchor der Kapuzinerkirche, ehemalige Seminaristen, die Mädchenschola und befreundete Musiker gestalteten.

Pater Felix Kraus vom Kapuzinerkloster St. Konrad in Altötting sprach die besinnlichen Texte und spannte den Borgen von der adventlichen Botschaft zu den Liedtexten: "Bald wird kommen unser Gott, herrlich werdet ihr ihn schauen" und "Seht die Herrlichkeit Gottes des Herrn" - diese beiden Textstellen verschmolzen im Laufe der Feststunde zu einer Einheit.

Pater Felix dankte auch allen, die in irgendeiner Form zum Gelingen des Adventsingens und des Basars beigetragen hatten, aber auch den Besuchern, unter denen viele ehemalige Seminaristen waren, für ihre Treue und ihre Interesse. Die Zuhörer lohnten die Mühe nicht nur mit Applaus, sondern auch mit großzügiger Spenden, so daß der stolze Gesamtbetrag von 6500 Mark zusammenkam. Das Geld wird an die Burghauser Missionsärztin Schwester Dr. Lukas Bergenthal in Pucón/Chile und die ebenfalls in Chile arbeitenden bayerischen Kapuziner überwiesen, deren Schützlinge zu den ärmsten Menschen Chiles zählen.

33. Adventmusik in der Kapuzinerkirche – Thema: "Es kommt ein Schiff"

Burghausen. Der Bayerische Rundfunk hatte Recht, als er in seinem Klassikprogramm die Burghauser Adventsmusik als Geheimtipp empfahl: Wohl selten kann man eine so stimmige Hinführung auf das Fest der Liebe erleben, ein stilvolles Musizieren auf hohem Niveau und ohne geschnörkelte Pose.

Das alte Adventslied "Es kommt ein Schiff" diente dem musikalischen Leiter Bernhard Waas als Leitmotiv. Einen wesentlichen Beitrag zum inneren Erleben leisteten die begleitenden Texte von Bruder Georg Greimel. Eigene Erlebnisse mit dem Begriff "Schiff" preisgebend, führte dieser die Zuhörer zu Betrachtungen über den Adventschoral, der im besungenen Schiff wohl die Mutter Kirche, letztendlich aber die Mutter Gottes versteht. 

Das Musikprogramm präsentierte sich vielfältig: Da ist zunächst die solide Streichergruppe zu nennen, mit dem Generalbassspieler Martin Hofinger, der in souveräner Manier auf dem Spinett ebenso daheim ist wie auf der Emporenorgel. Beglückend der Streichersatz mit dem altehrwürdigen Choralthema "Veni redemptor gentium", atemberaubend die markante und fast herbe Begleitung im "Adagio" von Alessandro Marcello, von Dr. Erwin Schiedermaier überzeugend auf der Flöte präsentiert. Im gesamten Ensemble sind gerade die Bläser ein Pfund, mit dem sich gut wuchern lässt. Die Sonate V von Giuseppe Sammartini für zwei Flöten, Fagott und Spinett war „vom Feinsten“, und man hätte sich gerne wenigstens noch einen weiteren Satz gewünscht. In gewohnter Brillanz zeigte sich Martin Hammerl mit seiner Trompete in der Eröffnungs-Voluntary und in einem Agnus Dei von Georges Bizet. 

Bemerkenswert auch die Leistung des Chores, der sehr anspruchsvolle Werke in nicht gerade üppiger Besetzung hervorragend meisterte, so beispielsweise die Bruckner Motette "Rorate coeli", die achtstimmige Mendelssohnmotette "Richte mich Gott" und die Jazzmotette "Jubilate deo" von Johannes Michel. Die Mädchenschola bot mit klaren und erfrischenden Stimmen ein Salzburger Roratelied dar und ein "Adventslied von der Mutter Gottes". Dank zollten die Zuhörer nicht nur mit lange anhaltendem Beifall, sondern sicher auch mit so manchem Euro für Dr. Lukas Bergenthal und für das Seminarprojekt von Bischof Sixtus Parzinger in Südchile.